Der Gueliz ist die moderne Neustadt von Marrakesch (frz. „Ville Nouvelle“), in der Kolonialzeit ab 1913 außerhalb der Medina angelegt. Breite Boulevards, Cafés, Boutiquen, Galerien und Restaurants machen das Viertel zum mondänen, weltoffenen Gegenpol zur historischen Altstadt.
Wer Marrakesch nur als Labyrinth aus Lehmgassen kennt, übersieht die andere Hälfte der Stadt. Der Gueliz zeigt das junge, weltoffene Marrakesch – und ist eine willkommene Abwechslung zum Trubel der Altstadt. Dieser Überblick erklärt, was das Viertel ausmacht, wie es entstand, was du dort unternehmen kannst und für wen es sich lohnt.
Was macht den Gueliz aus?
Der Gueliz wurde unter dem französischen Protektorat am Reißbrett geplant: schachbrettartige Straßen, der zentrale Boulevard Mohammed V als Verbindung zur Medina, dazu Art-déco-Bauten aus der Protektoratszeit. Der Name geht auf eine nahe Anhöhe und eine alte Kirche („église“) zurück. Heute ist das Viertel das kommerzielle und kulturelle Zentrum der Stadt mit internationalen Marken, Concept-Stores, modernen Einkaufszentren und einer lebendigen Café-Kultur, in der sich das junge Marrakesch trifft. Statt verwinkelter Gassen prägen hier breite, baumbestandene Achsen das Bild.
Wie entstand das Viertel?
Während die Medina über Jahrhunderte organisch gewachsen ist, entstand der Gueliz ab 1913 binnen weniger Jahrzehnte als geplante Stadterweiterung der französischen Verwaltung – mit geometrischem Grundriss, repräsentativen Boulevards und europäisch geprägter Architektur. Aus dieser Zeit stammen markante Art-déco-Fassaden, von denen einige bis heute erhalten sind. In den vergangenen Jahren hat sich das Viertel stark modernisiert: Neue Hotels, Galerien und Lifestyle-Adressen sind hinzugekommen, ohne dass der entspannte Boulevard-Charakter verloren ging. Der Gueliz ist damit das Schaufenster des gegenwärtigen Marrakesch.
Was kann man im Gueliz unternehmen?
Der Gueliz ist ideal zum Flanieren, für gehobene Restaurants und entspanntes Sitzen in einem der vielen Cafés, in denen schon die Schriftsteller und Künstler der Stadt verkehrten. Kunstinteressierte finden mehrere Galerien zeitgenössischer marokkanischer Kunst, etwa rund um die Rue de la Liberté. Der überdachte Marché Central (Mercado) ist ein guter Ort für Blumen, Oliven und Feinkost zu festen Preisen. Wer shoppen möchte, findet hier Mode und Design abseits der Souks.
Was gibt es im Gueliz zu sehen?
Das bekannteste Ziel ist der Jardin Majorelle mit dem Musée Yves Saint Laurent am nördlichen Rand des Viertels – ein Muss für Garten- und Designfans. Sehenswert ist außerdem die katholische Kirche Église des Saints-Martyrs als Zeugnis der Kolonialzeit. Der Gueliz selbst ist weniger ein Ort einzelner Monumente als ein Viertel zum Erleben: Architektur, Cafés, Kunst und das moderne Lebensgefühl der Stadt.
Welche Plätze und Architektur prägen den Gueliz?
Zentraler Orientierungspunkt ist die Place du 16 Novembre mit der Hauptpost, von der die wichtigsten Achsen ausgehen. Entlang des Boulevards Mohammed V und der Avenue Mohammed VI reihen sich Verwaltungsbauten, Hotels und das moderne Théâtre Royal. Zwischen den neueren Bauten finden sich noch immer Art-déco-Fassaden aus der Protektoratszeit – ein Spaziergang lohnt sich für alle, die Architektur mögen. Anders als in der verwinkelten Medina kannst du dich hier mühelos an den breiten, rechtwinkligen Straßen orientieren.
Wo kann man im Gueliz einkaufen?
Der Gueliz ist die Shopping-Adresse abseits der Souks: Hier findest du internationale Mode, Concept-Stores mit marokkanischem Design und das überdachte Einkaufszentrum Carré Eden nahe der Place du 16 Novembre. Der Marché Central (Mercado) bietet Blumen, Oliven, Käse und Feinkost zu festen Preisen. Kunsthandwerk in geprüfter Qualität gibt es in mehreren Kooperativen und Designläden – ideal, wenn du das Handeln in den Souks scheust und lieber transparente Preise möchtest. Eine Übersicht typischer Mitbringsel findest du in unserem Shopping-Guide.
Wie ist das Nachtleben im Gueliz?
Am Abend ist der Gueliz – zusammen mit dem benachbarten Hivernage – einer der Mittelpunkte des Nachtlebens von Marrakesch. Bars, Lounges und Restaurants mit internationaler Küche haben hier länger geöffnet als in der eher früh ruhenden Medina. Wer nach dem Sightseeing entspannt ausgehen möchte, ist im Gueliz richtig; die Medina erreichst du danach in wenigen Minuten per Taxi.
Gueliz oder Medina – was passt zu mir?
Die Medina ist authentisch, dicht und laut; der Gueliz ist moderner, ruhiger und komfortabler. Wer mitten im historischen Geschehen wohnen will, wählt ein Riad in der Altstadt. Wer modernen Komfort, Hotels mit Pool und ein ruhigeres Umfeld bevorzugt, ist im Gueliz oder im angrenzenden Hivernage gut aufgehoben. Viele Reisende kombinieren beides – Sightseeing in der Medina, Pause und Abendessen im Gueliz. Eine Entscheidungshilfe bietet unser Überblick zu Unterkünften in Marrakesch.
Wo übernachtet man im Gueliz?
Im Gueliz dominieren moderne Hotels und Apartments mit Komfort wie Aufzug, Pool und Rezeption rund um die Uhr – eine gute Wahl für Familien, Geschäftsreisende und alle, die nach belebten Tagen ruhig schlafen möchten. Die Lage ist praktisch: zentrale Achsen, gute Taxi-Anbindung und kurze Wege zum Jardin Majorelle. Für das volle Altstadt-Erlebnis kombinierst du ein paar Nächte im Gueliz mit einem Riad in der Medina.
Wie kommt man in den Gueliz und weiter?
Am Westrand des Viertels liegt der moderne, architektonisch beeindruckende Bahnhof Gare de Marrakech – Ausgangspunkt der ONCF-Züge nach Casablanca, Rabat und Tanger und damit dein Tor für Tagesausflüge oder die Weiterreise im Land. Vom Bahnhof und vom Flughafen Marrakesch-Menara erreichst du den Gueliz in wenigen Minuten per Petit Taxi. Innerhalb des Viertels bewegst du dich am besten zu Fuß über die breiten Boulevards; in die Medina bringt dich ein Taxi oder Stadtbus rasch zum Djemaa el-Fna. Details zu Taxitarifen und Verkehrsmitteln findest du in unserem Überblick zur Anreise und Fortbewegung.
Ist der Gueliz für Familien geeignet?
Ja. Gerade Familien schätzen die ebenen Gehwege, die geringere Enge und die Hotels mit Pool. Cafés mit Eis, Parks und das Einkaufszentrum Carré Eden machen das Viertel für Kinder unkompliziert. Für die Sehenswürdigkeiten der Medina nimmst du dann gezielt ein Taxi und kehrst abends in die ruhigere Neustadt zurück.
Welche Kunst und Galerien gibt es im Gueliz?
Der Gueliz hat sich zu einem Zentrum der zeitgenössischen marokkanischen Kunst entwickelt. Rund um die Rue de la Liberté und in den Seitenstraßen finden sich mehrere Galerien, die Werke lokaler und internationaler Künstler zeigen. Auch Designläden mit modernem Kunsthandwerk und Concept-Stores prägen das Viertel. Für Kulturinteressierte ist ein Bummel durch diese Adressen eine schöne Ergänzung zum historischen Programm in der Medina und zeigt das kreative, gegenwärtige Marrakesch.
Wie ist das gastronomische Angebot?
Im Gueliz reiht sich ein Restaurant ans nächste – von traditioneller marokkanischer Küche über französische Bistros bis zu internationaler Gastronomie und veganen Adressen. Die Café-Kultur ist legendär: Schon Schriftsteller und Künstler verkehrten hier, und noch heute trifft sich das junge Marrakesch zum Kaffee. Anders als in den Garküchen der Medina gelten feste Preise, und das Ambiente ist moderner – ideal für ein entspanntes Abendessen abseits des Trubels.
Was unterscheidet den Gueliz vom Hivernage?
Beide Viertel liegen außerhalb der Medina und bieten modernen Komfort, haben aber unterschiedliche Charaktere. Der Gueliz ist das urbane, kommerzielle Zentrum mit Boulevards, Shopping und Cafés. Das angrenzende Hivernage ist grüner, ruhiger und auf gehobene Hotels mit Pool, Spa und Nightlife ausgerichtet. Wer Shopping und Stadtleben sucht, wählt den Gueliz; wer großzügige Hotelanlagen bevorzugt, das Hivernage. Beide sind in wenigen Minuten mit der Medina verbunden.
Ist der Gueliz gut für längere Aufenthalte?
Ja, gerade für längere Aufenthalte ist der Gueliz attraktiv. Moderne Apartments mit Küche, Supermärkte, Cafés und kurze Wege machen den Alltag bequem. Wer mehrere Wochen bleibt, etwa für eine Workation oder einen Sprachkurs, schätzt die unkomplizierte Infrastruktur und die ruhigeren Nächte. Die Sehenswürdigkeiten der Medina erreichst du jederzeit mit einem kurzen Taxi.
Was kann man von hier aus unternehmen?
Der Gueliz ist ein guter Ausgangspunkt: Der Jardin Majorelle liegt am nördlichen Rand, die Medina ist schnell erreicht, und der nahe Bahnhof verbindet dich mit anderen Städten. Auch für Tagesausflüge ins Atlasgebirge oder in die Wüste lassen sich Touren bequem von hier aus organisieren. So verbindet das Viertel modernen Wohnkomfort mit guter Anbindung an alle Highlights der Region.
Wie bewegt man sich im Gueliz?
Innerhalb des Viertels bewegst du dich angenehm zu Fuß über die breiten, ebenen Boulevards. Für Wege in die Medina oder zu weiter entfernten Zielen nimmst du ein günstiges Petit Taxi. Da der Gueliz – anders als die Medina – mit dem Auto erschlossen ist, sind auch Mietwagen und Hotelparkplätze hier unkomplizierter. Mehr zu Verkehrsmitteln und Preisen findest du unter Fortbewegung in Marrakesch.
Häufige Fragen zum Gueliz
Wie komme ich vom Gueliz in die Medina?
Zu Fuß sind es rund 20–30 Minuten über den Boulevard Mohammed V; bequemer ist ein Petit Taxi für wenige Dirham. Auch Stadtbusse verbinden beide Viertel.
Ist der Gueliz für Touristen interessant?
Ja – als Kontrastprogramm. Für Cafés, moderne Restaurants, Galerien, den Jardin Majorelle und entspanntes Bummeln ist der Gueliz lohnenswert, auch wenn die klassischen Sehenswürdigkeiten in der Medina liegen.
Ist der Gueliz teurer als die Medina?
Tendenziell ja: Restaurants und Cafés im Gueliz sind eher auf internationalem Preisniveau, während es in der Medina von günstig bis exklusiv alles gibt.
Muss man im Gueliz handeln?
Nein. Anders als in den Souks gelten hier meist feste Preise – ideal, wenn du das Feilschen scheust.