Kurz erklärt: Die Fondation Nationale des Musées betreibt in Marrakesch drei Häuser in der Medina: das Musée des Confluences im Palast Dar el Bacha, das Teppich- und Webmuseum Dar Si Saïd und das Museum des immateriellen Erbes an der Place Jemaa el-Fna. Alle drei sind von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, montags geschlossen.
Alle Angaben gelten mit Stand: November 2026. Am Montag sind alle drei Häuser zu, plane deine Museumstage also zwischen Dienstag und Sonntag.
Ergänzend zeigen das Berber-Museum im Jardin Majorelle und die Galerie Marrakesh–Timbuktu die Kunst der Amazigh und der Sahara.
Was ist die Fondation Nationale des Musées?
Die Fondation Nationale des Musées, kurz FNM, ist die staatliche Stiftung, die in Marokko 23 Museen in elf Städten betreut. In Marrakesch restaurierte sie historische Gebäude und machte sie zu Museen. Die drei hier vorgestellten Häuser haben jeweils eine eigene Handschrift: ein Palast mit Hammam und Riad-Garten, ein Haus der Teppiche und Stoffe, eine ehemalige Bank an der berühmtesten Platzanlage des Landes.
Sie ergänzen die privaten Museen der Stadt, die auf der Seite Museen in Marrakesch vorgestellt werden, etwa das Musée Yves Saint Laurent und die Maison de la Photographie.
Was ist das Dar el Bacha?
Dar el Bacha heißt „Haus des Paschas“. Der Herrenpalast wurde 1910 gebaut und war die Residenz von Thami El Glaoui, den Sultan Moulay Youssef 1912 zum Pascha von Marrakesch ernannte. Das Haus empfing Gäste von Rang: Winston Churchill und Franklin D. Roosevelt, später Meryl Streep und Owen Wilson. Nach einer Zeit des Verfalls renovierte die FNM den Palast, 2017 eröffnete er als Museum.
Heute trägt er den Namen Musée des Confluences. Das Programm will zeigen, welche materiellen und immateriellen Beiträge die Identität Marokkos geformt haben. Die Sammlung umfasst dekorative Künste, ethnografische Objekte und traditionelles Kunsthandwerk: Keramik, Textilien, Schmuck, Handschriften und Gegenstände des Alltags. Sie zeigen die kulturelle Vielfalt des Landes und den Austausch mit den Kulturen des Mittelmeers.
Wie ist der Palast gebaut?
Dar el Bacha ist ein Musterbeispiel für ein Riad: ein Garten, umgeben von sechs Räumen auf jeder der vier Seiten. Der Grundriss ist streng symmetrisch zu den Achsen der Mittelwege. Im Innenhof stehen Brunnen und Orangenbäume, auch Feigen und Palmen wachsen dort. Rund um den Hof liegen die traditionellen Salons.
Zum Palast gehören mehrere Nebenräume. Das traditionelle Hammam des Hauses ist ebenso erhalten wie die Douiria, der Bereich der Bediensteten. Hinzu kommen die Bibliothek und der private Bereich, der Harem der Familie des Paschas. Der Schmuck des Hauses ist von seltener Feinheit und Harmonie: Zelliges, geschnitzte Holzdecken und fein gemeißelter Stuck an Säulen und Wänden zeigen den Reichtum des marokkanischen Dekors. Neben marokkanischem Handwerk finden sich auch italienische Einflüsse in einigen Schmuckelementen.
Das Wasser- und Abwassersystem und die Heizung des Hammams zeigen, wie erfindungsreich die Handwerker waren. Wer sich für die Funktionsweise eines Hammams interessiert, findet auf der Seite Hammam und Spa in Marrakesch den Ablauf eines heutigen Besuchs.
Welche Ausstellung läuft im Dar el Bacha?
Seit dem 15. Oktober 2026 zeigt das Haus „Enki Bilal : l’Exposition“. Rund zwanzig bedeutende Zeichnungen des Künstlers sind dort zu sehen. Bilals Arbeiten waren zuvor in Paris, Berlin, Mailand, New York, Singapur und Tokio ausgestellt, jetzt sind sie in der Roten Stadt zu Gast. Die Laufzeit erfährst du an der Kasse.
Frage beim Kauf des Tickets, welche Räume gerade geöffnet sind.
Wo liegt das Dar el Bacha und wie komme ich hin?
Das Museum liegt im mittleren Westen der Medina, in der Straße Dar el Bacha. Von der Djemaa el-Fna gehst du etwa 15 Minuten zu Fuß. Wer von weiter kommt, nimmt ein Taxi, die Fahrer kennen den Palast. Mit dem Auto parkst du außerhalb der Medina und gehst den Rest zu Fuß, die Gassen sind eng. Plane mindestens ein paar Stunden für Architektur und Ausstellung ein.
Im Palast gibt es außerdem das Café Bacha Coffee, geöffnet von 10 bis 18 Uhr. Wie du dich sonst durch die Altstadt bewegst, steht auf der Seite Fortbewegung in Marrakesch.
Was ist das Dar Si Saïd?
Das Dar Si Saïd, offiziell Musée National du Tissage et du Tapis, ist ein großer Palast aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Gebaut wurde er von Si Saïd Ben Moussa, Kriegsminister unter Sultan Moulay Abdelaziz (1894 bis 1908) und Mitglied einer bedeutenden Familie. 1930 übertrug die Domänenverwaltung das Haus der Generaldirektion für öffentlichen Unterricht, Schöne Künste und Altertümer. Es sollte Büros der Dienststelle für einheimische Kunst, ein Museum alter Kunst und Werkstätten aufnehmen.
1957 wurde das Haus offiziell in zwei Teile geteilt. Der eine war für Werkstätten von Handwerkern gedacht, der andere für ein Museum alter Kunst und Traditionen. Im Nordosten war bis 1987 eine Grundschule untergebracht, im ersten Stock entstand die erste Radiostation von Marrakesch. Heute zeigt das Haus, wie vielfältig Marokko webt und knüpft.
Was zeigt das Museum für Weberei und Teppich?
Die Sammlung umfasst Teppiche und Webwaren aus allen Regionen des Landes. Dazu gehören städtische und ländliche Teppiche, darunter Hochflorteppiche, Hanbel und Decken, sowie Webarbeiten wie Akhnif, Handira, Kaftane, Reiterkostüme und Brokat.
Daneben besitzt das Museum Sammlungen aus der Region Marrakesch, besonders aus dem Tensift-Gebiet, dem Souss, dem Hohen Atlas, dem Anti-Atlas, dem Bani und dem Tafilalet. Dazu zählen geschlossene Gruppen aus Holzarbeiten, Schmuck, Töpferei und Keramik, Waffen, Teppichen und Webwaren sowie einige archäologische Stücke. Wer die handwerkliche Seite weiter vertiefen will, liest die Seite Kunsthandwerk in Marrakesch.
Das Dar Si Saïd liegt in der Derb El Bahia im Viertel Riad Zitoun Jdid. Ein Besuch lässt sich gut mit dem nahen Bahia-Palast verbinden.
Was ist das Museum an der Jemaa el-Fna?
Das Gebäude an der Place Jemaa el-Fna war die erste Filiale der Staatsbank von Marokko, gebaut 1922 von den Architekten Auguste Cadet und Edmond Brion. Der Bau fügt sich nahtlos in die Gebäude am Platz ein. Als Teil des Restaurierungsprogramms der FNM öffnete der frühere Sitz der Bank al-Maghrib als erstes Museum Marokkos, das dem immateriellen Erbe des Platzes gewidmet ist.
Seine Aufgabe ist es, die Geschichte des Platzes in der Stadt zu erzählen, die Künste der Halqa zu würdigen und das Bewusstsein für dieses gemeinsame Erbe zu schärfen, damit es erhalten und an kommende Generationen weitergegeben wird. Die Dauerausstellung ist der Place Jemaa el-Fna und ihren Akteuren gewidmet.
Welche Abteilungen hat das Jemaa-el-Fna-Museum?
- Geschichte: die Geschichte von Marrakesch und der Place Jemaa el-Fna.
- Halqa: die Vorstellung der Halqa und der Hlaiqis, also der Straßenkünstler, mit den Geheimnissen ihres Könnens und ihrer Berufe.
- Numismatik: eine Abteilung als Hommage an die Bank Al Maghrib und die Menschen, die dort arbeiteten.
- Kunst: ein Bereich, der den Platz in Malerei, Theater, Film und Fotografie zeigt.
- Gemälde: zwei Meisterwerke von Jacques Majorelle mit Alltagsszenen des Platzes sowie Bilder bedeutender marokkanischer Maler.
Das Museum ist in Einklang mit dem Gebäude gestaltet, das es beherbergt. Mehr zum Platz selbst steht auf der Seite Djemaa el-Fna, mehr zu Majorelle auf der Seite Jardin Majorelle.
Warum steht die Jemaa el-Fna unter UNESCO-Schutz?
2008 nahm die UNESCO den Kulturraum der Place Jemaa el-Fna in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf, nachdem er bereits 2001 proklamiert worden war. Die Medina von Marrakesch ist seit 1985 Welterbe. Der Platz ist seit der Gründung der Stadt im 11. Jahrhundert eines ihrer Symbole und vereint eine einzigartige Fülle volkstümlicher Traditionen aus Musik, Religion und Kunst.
Der dreieckige Platz liegt am Eingang der Medina, umgeben von Restaurants, Ständen und öffentlichen Gebäuden. Den ganzen Tag und weit in die Nacht gibt es Dienste wie Zahnpflege, traditionelle Medizin, Wahrsagerei, Predigt und Henna-Tattoos; man kann Wasser, Obst und traditionelles Essen kaufen. Dazu treten Erzähler, Dichter, Schlangenbeschwörer, berberische Musiker, Gnawa-Tänzer und Senthir-Spieler auf. Die mündlichen Ausdrucksformen werden von Barden erneuert, die früher durch die Berbergebiete zogen. Seit 1922 steht der Platz als Teil des künstlerischen Erbes Marokkos unter Schutz. Stadtentwicklung und Immobilienspekulation bedrohen den Kulturraum, und der Tourismus kann die Praktiken verändern.
Wie verbinde ich die drei Museen?
Alle drei Häuser liegen in der Medina und haben dieselben Öffnungszeiten. Das Museum an der Jemaa el-Fna erreichst du direkt am Platz. Zum Dar el Bacha sind es etwa 15 Gehminuten, durch die Souks der Altstadt. Das Dar Si Saïd liegt im Süden der Medina bei Bahia und Riad Zitoun. Für einen ruhigen Tag nimmst du dir ein Haus am Vormittag und ein zweites am Nachmittag vor.
Wer einen Überblick über die Altstadt sucht, findet ihn auf der Seite Die Medina von Marrakesch.
Häufige Fragen zu den Museen der FNM
Wann sind die Museen geöffnet?
Dar el Bacha, Dar Si Saïd und das Museum an der Jemaa el-Fna sind von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Montags sind sie geschlossen.
Was kostet der Eintritt für Ausländer?
Dar el Bacha 60 MAD, Dar Si Saïd 30 MAD für Erwachsene und das Museum an der Jemaa el-Fna 40 MAD (Stand: November 2026).
Wann wurde das Dar el Bacha gebaut?
1910. Es war die Residenz des Paschas Thami El Glaoui und ist seit 2017 ein Museum.
Was zeigt das Dar Si Saïd?
Teppiche und Webwaren aus allen Regionen Marokkos, dazu Holzarbeiten, Schmuck, Keramik und Waffen aus der Region Marrakesch.
Was ist die Halqa?
Der Kreis der Zuschauer um Erzähler, Musiker und Gaukler auf der Jemaa el-Fna. Das Museum an der Jemaa el-Fna stellt die Halqa und ihre Hlaiqis vor.
