Marrakesh–Timbuktu: Galerie Bert Flint

Von der Marrakesch.com-Redaktion Aktualisiert: November 2026 9 Min. Lesezeit
Marrakesh–Timbuktu: Galerie Bert Flint

Kurz erklärt: Die Galerie Marrakesh–Timbuktu zeigt in einem alten Privathaus der Medina die Sammlung des Niederländers Bert Flint. Der Rundgang folgt den Karawanenrouten von Marrakesch durch den Atlas und die Sahara nach Timbuktu und zurück, mit Objekten der Amazigh, der Tuareg und westafrikanischer Völker. Sie ist täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Was ist die Galerie Marrakesh–Timbuktu?

Marrakesh–Timbuktu ist eine Ausstellungsgalerie in einem alten Stadthaus der Medina. Sie macht das Lebenswerk von Bert Flint zugänglich, eines niederländischen Anthropologen, Sammlers und Bewahrers der ländlichen Kunst. Seine Sammlung entfaltet sich wie eine Karawane: Du betrittst ein Haus und beginnst eine Reise, die dich zu den Amazigh Marokkos, zu den Tuareg und zu den Gemeinschaften Westafrikas führt.

Es ist kein stilles, verstaubtes Museum, sondern ein Ort, an dem Alltagsgegenstände erzählen: wie Kunst in den Alltag eingewoben ist, wie Symbole Geschichten tragen und wie Frauen diese Traditionen über Generationen geprägt und bewahrt haben. Im Haus findest du Karten, Zeichnungen zu den Objekten und eigens entworfene Tische und Vitrinen. Die Galerie ergänzt die großen Häuser der Stadt, wie sie auf der Seite Museen in Marrakesch beschrieben sind.

Wer war Bert Flint?

Bert Flint wurde 1931 in den Niederlanden geboren und studierte dort spanische Sprache und Literatur. Seit 1957 lebte er in Marokko und unterrichtete zunächst Sprachen. Kunst und Anthropologie brachte er sich selbst bei. Er widmete sein Leben dem Kulturerbe Nordwestafrikas, besonders dem der Amazigh, und bereiste beide Seiten der Sahara. Er starb 2022 in Marrakesch im Alter von 91 Jahren.

Ausgangspunkt war für ihn immer die Schönheit eines Gegenstandes. Erst wenn ein Stück ihn berührte, kaufte er es; danach fragte er, wo, wie und von wem es gemacht wurde. Er verglich Berberteppiche mit der abstrakten Malerei Piet Mondrians und stellte die Leistung analphabetischer Berberfrauen neben das Werk Picassos. Damit stellte er das Fortschrittsdenken und die westliche Überlegenheit infrage.

1965 wurde er Lehrer an der Kunstschule von Casablanca, dem Zentrum einer wichtigen marokkanischen Avantgarde der 1960er-Jahre, mit Künstlern wie Farid Belkahia, Mohamed Melehi und Mohamed Chabâa. Dort sprach er über die Volkskunst Marokkos statt über die städtisch-islamische Kunst. Eine bemalte Moscheedecke in dem Bergdorf Imoulas beeindruckte ihn tief: Die Kraft des rein geometrischen Stils prägte auch die Maler der Kunstschule.

Wie wurde aus dem Haus Tiskiwin ein Museum?

1983 begann Flint, Kleidung zu entwerfen und in einem Geschäft in seinem Haus zu verkaufen. Um Kunden anzuziehen, hielt er wöchentlich Vorträge und zeigte seine private Sammlung. So wurde das Haus 1989 zum Museum. Der Name Tiskiwin verbindet die Fibel in Widderform mit einem Tanz aus dem Westlichen Hohen Atlas, bei dem die Männer ein Pulverhorn in Form eines Widders tragen, das Tiskt heißt.

2006 schenkte Flint der Universität Cadi Ayyad 550 Objekte und sein Haus. Er wünschte sich dort ein Institut Bert Flint, das die Erforschung des Kulturerbes Nordwestafrikas voranbringt. 2017 überließ er mehr als 700 Teppiche und wertvolle Gewänder dem Berber-Museum im Jardin Majorelle, weil es sie für kommende Generationen am besten bewahren kann. Diesem Haus widmet sich die Seite Berber-Museum im Jardin Majorelle.

Flint war Sammler, aber nicht reich. Als Lehrer verdiente er so viel wie lokal angestellte Kollegen, bekam keine Rente und arbeitete bis zu seinem Tod. Er stellte seine Funde mit einfachen Mitteln aus, aus Not und aus Überzeugung. Er sammelte Dinge, bevor sie auf dem Kunstmarkt in Mode kamen, etwa Flechtwerk, und wechselte zu etwas anderem, sobald die Preise stiegen. Die Galerie Marrakesch–Timbuktu führt dieses Lebenswerk in einem neuen Raum im Herzen der Medina weiter.

Wie ist der Rundgang von Marrakesch nach Timbuktu aufgebaut?

Die Ausstellung führt dich in neun Etappen, die du mit Flint reist, von Marrakesch über Fès und Imilchil bis in die Zentralsahara, zum Nigerbogen, nach Mali, Mauretanien und über die Westroute zurück. Jede Etappe hat eine Karte, einen Text und Objekte aus der jeweiligen Region. Vorher steht ein Besuch in der Grünen Sahara, der Wiege des Wüstenerbes.

  • Grüne Sahara: Vor etwa 7.000 Jahren war die Sahara Grasland mit Schilf an Teichen. Krokodile, Giraffen, Büffel, Antilopen und Elefanten lebten dort; die Menschen jagten und sammelten, töpferten und schufen Felskunst. Als die Sahara vor etwa 5.000 Jahren austrocknete, wanderten sie an die Küsten im Norden und Süden.
  • Mittlerer Atlas, von Marrakesch nach Fès: Viehzüchter nutzten Pflanzenfasern, Ton und Zedernholz. Schönheit und Nutzen eines Gegenstandes gehören zusammen, manchen Formen und Dekoren schreiben die Menschen magische Kraft zu.
  • Östlicher Hoher Atlas, von Fès nach Imilchil: Halbnomadische Familien unter schwarzen Wollzelten, die Wolle verarbeiten und mit ihren Webereien ihre textile Kreativität ausdrücken.
  • Präsaharische Oasen, von Imilchil nach Timimoun: Künstliche grüne Inseln mit ausgeklügelter Bewässerung, Kasbahs mit vier Türmen, Fenster, massive Möbel und Vorratsbehälter aus Lehm, Holz und Palmfasern. Viele verfolgte Juden fanden hier Zuflucht und spezialisierten sich auf Schmuck.
  • Zentralsahara, von Timimoun nach Agadez: Die Tuareg der Konföderationen Hoggar und Aïr lebten von Viehzucht und Karawanenhandel. Lederarbeiten und Farbkenntnis liegen hier oft in der Hand der Frauen.
Sahara-Landschaft bei Sonnenaufgang mit Dünen, Akazien, einem ausgetrockneten Flusslauf und fernen Kamelen

Was zeigen die Stationen am Niger und in Timbuktu?

Hinter Agadez führt die Reise nach Westen zum Niger. Hier treffen sich Tuareg des Sahel und des Flusses mit anderen Völkern der Sahara-Diaspora. Sie haben ihre Saharakultur an eine ganz andere Umwelt angepasst, es entstand eine Mischung aus afrikanischen und amazighischen Traditionen. Die Familien lebten halbnomadisch unter Zelten aus Fell oder Matten, ihre Möbel mussten tragbar sein und vor Bodentieren schützen. Du siehst unter anderem eine riesige Mattenwand und Botschaftsschmuck der Bella, einer schwarzen Gemeinschaft, deren Vorfahren Sklaven der Tuareg waren.

Weiter geht es durch Burkina Faso und Mali. Die sesshaften Gemeinschaften lebten von Ackerbau und Jagd. Um das Unsichtbare zu beherrschen, bauen sie auf Animismus, Ahnenverehrung und die Ergänzung von Männlichem und Weiblichem. Du lernst sie über Masken, Statuen und Löffel kennen. Für Flint verdiente die Betonung weiblicher Werte in der figürlichen Kunst Westafrikas besondere Aufmerksamkeit.

Timbuktu steht heute für einen fernen Ort. Im 14. Jahrhundert war es ein weltbekanntes Zentrum von Wissenschaft und Handel und der südliche Endpunkt einer transsaharischen Salzstraße, auf der Steinsalz aus Minen der Zentralsahara befördert wurde. In Mauretanien trifft die Route auf nomadische Hirten berberischer und arabischer Herkunft. Du sitzt wie zu Gast auf bemalten Ledersitzkissen, trinkst Tee und spielst das Wüstenspiel Dhamma. Ein Raum der Ausstellung zeigt die Sammlung aus Subsahara-Afrika.

Wie endet die Reise im Westlichen Hohen Atlas?

Die Westroute führt von Kiffa wieder nach Süden Marokkos. Aus dem Süden brachten die Karawanen Gummi, Häute und vor allem Gold aus Ghana, außerdem versklavte Menschen. Aus dem Norden kamen Stoffe, Schmuck, Datteln, Weizen und Salz. Der Handel brachte auch alte afrikanische Währungen nach Norden: Kauri-Muscheln und Glasperlen, die einst gegen Sklaven getauscht wurden. Am nördlichen Ende dieser Route entstand um 1070 Marrakesch. Seither ist die Stadt eine Drehscheibe für Handel und Kulturaustausch zwischen dem westlichen Maghreb und dem Afrika südlich der Sahara. Mehr zu Marrakesch und seiner Gründung steht auf der Seite Geschichte von Marrakesch.

Zum Schluss durchquerst du den trockenen Anti-Atlas und die fruchtbare Souss-Ebene. Im Westlichen Hohen Atlas begegnest du dem Widder auf Fibeln, Säulenkapitellen und Pulverhörnern. Du triffst Flint wieder, erfährst von seiner Leidenschaft für geometrische Kunst und warum er sein Haus Tiskiwin nannte. Den Höhepunkt der Reise bilden die entlegenen Bergmoscheen mit ihren bemalten Decken, die die Künstler der Kunstschule von Casablanca inspirierten. Wer Landschaft und Dörfer selbst sehen will, findet Ausflugsideen auf den Seiten Atlasgebirge und Wüstentouren.

Was bietet die Dachterrasse und wie finde ich das Haus?

Auf dem ruhigen, begrünten Dach verstummen die Geräusche der Stadt. Zwischen blühenden Pflanzen und unter freiem Himmel kannst du ein erfrischendes Getränk nehmen und in einem großen, echten Zelt aus Südmarokko ausruhen. Der Zugang zur Dachterrasse ist im Ticket der Galerie enthalten.

Das Haus ist leicht zu finden. Von der Place Jemaa el-Fna sind es etwa sieben Gehminuten ab dem Café de France, zum Bahia-Palast zehn. Du gehst unter dem Torbogen an der Konditorei Corne de Gazelle hindurch und biegst nach rechts ab. Der Weg lässt sich gut mit der Djemaa el-Fna und dem Bahia-Palast verbinden. Die Erklärungen sind in Englisch, Französisch und Arabisch verfasst.

Begrünte Dachterrasse über der Medina von Marrakesch mit großem dunklem Nomadenzelt, Kissen und dem Atlas im Abendlicht

Welche Häuser lassen sich mit Marrakesh–Timbuktu verbinden?

Die Galerie liegt zwischen Platz und Bahia-Palast und passt zu einem Tag in der Altstadt. Webarbeiten und Teppiche zeigt das Dar Si Saïd, beschrieben auf der Seite Staatliche Museen in Marrakesch. Fotografien aus Marokko sammelt die Maison de la Photographie. Die Teppiche, die Flint stiftete, siehst du im Berber-Museum im Jardin Majorelle. Wer Kunsthandwerk sucht, liest vorher die Seiten zu Kunsthandwerk und zu den Souks, in denen es verkauft wird.

Geheimtipp: Beginne bei der Grünen Sahara und folge den Etappen in der Reihenfolge der Nummern. Die Karte an der Wand zeigt dir bei jeder Station, wo du auf der Strecke zwischen Marrakesch, Timbuktu und zurück bist.
Weiter entdecken: Weitere Häuser für Kunst, Kultur und Geschichte stellt die Seite Museen in Marrakesch vor.

Häufige Fragen zur Galerie Marrakesh–Timbuktu

Wann ist die Galerie geöffnet?

Täglich von 10 bis 19 Uhr. Der letzte Einlass ist 30 Minuten vor Schließung.

Was kostet der Eintritt?

100 MAD; Marokkaner zahlen 40 MAD, Kinder bis 12 Jahre kommen kostenlos hinein (Stand: November 2026).

Wer war Bert Flint?

Ein niederländischer Anthropologe und Sammler (1931 bis 2022), der seit 1957 in Marokko lebte und die Kunst der Amazigh und der Sahara sammelte.

Was bedeutet der Name Tiskiwin?

Er verbindet die Widder-Fibel mit einem Tanz des Westlichen Hohen Atlas, bei dem die Männer ein widderförmiges Pulverhorn, das Tiskt, tragen.

Ist die Galerie barrierefrei?

Nur das Erdgeschoss, weil das alte Haus keinen Aufzug hat.

Wo liegt die Galerie?

In der Medina, sieben Gehminuten vom Café de France an der Jemaa el-Fna, zehn vom Bahia-Palast; die Adresse lautet Derb Boutouil Nr. 33b im Viertel Hay Quenaria.

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