Berber-Museum im Jardin Majorelle

Von der Marrakesch.com-Redaktion Aktualisiert: November 2026 12 Min. Lesezeit
Berber-Museum im Jardin Majorelle

Kurz erklärt: Das Musée Pierre Bergé des arts berbères liegt mitten im Jardin Majorelle in Gueliz. Es zeigt in vier Themenräumen mehr als 600 Objekte der Amazigh: Schmuck, Kleidung, Teppiche, Waffen, Geräte und Instrumente vom Rif bis zur Sahara. Eröffnet wurde es im Dezember 2011 im früheren Malatelier von Jacques Majorelle.

Wie entstand das Berber-Museum im Jardin Majorelle?

Jacques Majorelle wurde 1886 in Nancy geboren, als Sohn des berühmten Möbelmachers Louis Majorelle. 1917 kam er nach Marokko. Sieben Jahre später baute er eine Villa am damaligen Stadtrand von Marrakesch, und 1931 ließ er vom französischen Architekten Paul Sinoir ein Malatelier entwerfen. In diesem Atelier stehen heute die Vitrinen. Bis zu seinem Tod 1962 schuf Majorelle den üppig-exotischen Garten, den du heute als Jardin Majorelle kennst.

1980 erwarben Yves Saint Laurent und Pierre Bergé die verwahrloste Anlage, die abgerissen werden sollte, und restaurierten sie. Nach dem Tod von Yves Saint Laurent am 1. Juni 2008 schenkte Bergé den Besitz der Pariser Fondation Pierre Bergé – Yves Saint Laurent. Er beschloss, ein Museum zu eröffnen, das der Kultur und Kunst der Berber huldigt. Im Dezember 2011 wurde es unter der Schirmherrschaft von König Mohammed VI. im früheren Atelier eingeweiht, in Anwesenheit der Kulturminister Frankreichs und Marokkos.

Das Museum ergänzt zwei Nachbarn: den Garten und das Musée Yves Saint Laurent, das dem Modeschöpfer gewidmet ist. Alle drei liegen nebeneinander, haben aber jeweils eigene Eintrittskarten.

Wer sind die Imazighen, die Berber?

Imazighen (Singular Amazigh) ist die Selbstbezeichnung der Berber, der ältesten Bewohner Nordafrikas. Ihre Ursprünge reichen mehr als 9.000 Jahre zurück, bis in die Zeit der ersten Besiedlung des Mittelmeerraums. Gemeinsam haben sie Sprache und Kultur, die wie ihr Land zugleich afrikanisch und mediterran sind. Aus dem Kontakt mit anderen Völkern des Mittelmeers entstanden Königreiche, aber auch weite Stammesgebiete mit demokratischer, wehrhafter Ordnung.

Die Sprache gehört zur afroasiatischen Familie und hat die meisten Sprachen der Antike überdauert, etwa Altgriechisch, Phönizisch, Latein und Altägyptisch. Sie war einst eine Schriftsprache und wird heute vor allem gesprochen. Die Schrift heißt Tifinagh. Sie besteht aus geometrischen Zeichen: 33 Buchstaben, die aus drei Grundformen gebildet werden, dem Kreis, der Linie und dem Punkt. Marokko hat das Alphabet 2003 übernommen, 2004 wurde es von der Internationalen Organisation für Normung im Unicode anerkannt. Was die Sprache für das Land bedeutet, steht auf der Seite Sprache in Marokko.

Über die Jahrtausende nahmen die Berber alle großen monotheistischen Religionen an. Das Judentum blieb lebendig, und der sunnitische Islam der Mehrheit färbte sich mit Bruderschaften, Zawiyas, Heiligen und Ritualen berberisch ein. Wer sich für die Gegenwart dieser Kultur interessiert, findet mehr auf der Seite Tradition in Marokko.

Wie ist die Ausstellung aufgebaut?

Der Rundgang beginnt mit einer Einführung in Geschichte und Geografie der Berber in Marokko. Eine Karte zeigt die wichtigsten Stämme, Film- und Tonmaterial begleitet dich durch das ganze Haus. Danach folgen drei große Themen:

  • Handwerk und Alltag: Werkzeuge, Gefäße und Geräte aus Holz, Leder, Ton, Metall und Palmblatt, genutzt im Alltag oder bei Festen.
  • Schmuck: Silber, Bernstein und Koralle, die Glauben, Wissen und Stammesidentität sichtbar machen.
  • Prachtkleidung: Gewänder, Waffen, Gewebe und verzierte Haustüren, die Würde und Stolz ausdrücken.

Alle Objekte zeigen die Vielfalt des ländlichen Marokko. Die dominierenden geometrischen Muster auf Alltagsgegenständen und rituellen Objekten gehen auf menschliche Formen zurück.

Welche Geräte und Handwerke zeigt der Raum der Fertigkeiten?

Hier siehst du, wie vielseitig die Berber mit Rohstoffen arbeiten. Beim Leder fällt die Choukara auf, eine Männertasche, auf Berberisch Aqraben. Die Taschen der Zaïane im Mittleren Atlas sind mit farbigen Lederintarsien und Knopfgarn verziert, die Fransentaschen aus dem Rif tragen Talismane und kleine Spiegel gegen den bösen Blick. Dazu kommen Frauenschuhe aus bestickter Seide und Leder aus dem Anti-Atlas.

Die Korbflechterei nutzt Blätter der Dum- und der Zwergpalme, mit Mustern in Menschengestalt. Daneben liegen Kardierkämme, Spindeln und Webkämme: Die Werkzeuge der Frauen, die Wolle zu Fäden und Fäden zu Teppichen machen. Bei den Holzarbeiten stechen bemalte Truhen aus dem Siroua und dem Anti-Atlas hervor, mit geschnitzten und gravierten geometrischen Motiven.

Besonders anschaulich ist die Herstellung der Fibeln, der Gewandspangen. Gezeigt werden vier Techniken: geschmiedetes Eisen, Guss in Silber, Niello und gravierte Emaille, dazu die fast vergessene Wurmtechnik. Dabei werden winzige Silberzylinder nebeneinandergelegt und mit feinen Silberstreifen verlötet. Eine Balkenwaage, Blasebälge, Mörser aus dem Draatal und Safranmörser aus dem Dadestal zeigen, wie viel Handwerk hinter dem Alltag steckt.

Bemalte Holztruhe und geschnitzte Zedernholztür mit geometrischen Mustern und Messingnägeln in einem Raum Südmarokkos

Was erzählen Teeservice, Geschirr und religiöse Gegenstände?

Auch der Tee hat seine Vitrine. Die Teekanne aus Zinn kam im 19. Jahrhundert aus Großbritannien nach Marokko. Nomaden schützten sie auf ihren Wegen in Holzkästen, ebenso die Teegläser. Zum Zeremoniell gehören Zuckerhämmer, mit denen die Zuckerhüte zerschlagen wurden. Manche tragen Schutzinschriften oder Widderhörner als Zeichen der Männlichkeit, andere haben die Form von Wolf oder Gazelle. Mehr zur Küche und zum Tee steht auf der Seite Küche in Marokko.

Beim Geschirr siehst du bemalte Terrakotta aus dem Rif, Tajinen aus der Provinz Ouarzazate und Fußschalen für den Couscous aus Kupfer und glasierter Keramik. Es gibt tragbare Kohleöfen, Butterfässer aus Ton, einen Backofen der Nomaden für Fladenbrot und Imkerräuchergefäße aus dem Hohen Atlas. Zu den Kuriositäten zählen die Schröpfschalen der Dorfbarbiere, die am Markttag Blut ließen, und Zangen zum Zähneziehen.

Der religiöse Teil spiegelt das Miteinander der Glaubensrichtungen. Zum Islam gehören Lernstäbe der Koranschüler, Schreibtafeln, Tintenfässer, Gebetsketten und eine Moscheekanzel aus Zedernholz mit fünf Stufen, die auf Rädern stand und bis zum nächsten Freitagsgebet weggeschoben werden konnte. Zum Judentum gehören eine Mesusa-Kapsel, eine silberne Chamsa-Hand, Hanukka-Lampen aus dem Draatal und eine Pilgerschale zum Gedenken an Rabbi Amran Ben Diwane, dessen Grab in Ouezzane im Rif ab 1782 zum Wallfahrtsort wurde. Den Hintergrund zur jüdischen Geschichte der Stadt erzählt die Seite zum Mellah.

Ältere, vorislamische Glaubensformen klingen im Ritual an: Eine Regenbraut-Puppe, Taghonja genannt, wurde bei Prozessionen für Regen mitgeführt. Silberne Handtalismane tragen Schutzinschriften. Die Fünf, symbolisiert durch die Chamsa und fünf Kauri-Muscheln, ist die Schutzzahl und steht für Fruchtbarkeit. Ein Raum erklärt zudem, wie Rechtsakte auf Holztafeln festgehalten und in Getreidespeichern oder Moscheen aufbewahrt wurden.

Was erzählt der Schmuck der Berberfrauen?

Berberschmuck ist mehr als Zierde: Er zeigt die Stammeszugehörigkeit und den sozialen Rang der Trägerin, und er ist Ersparnis, die sich in schlechten Zeiten verkaufen lässt. Alles besteht aus Silber, verarbeitet in drei Techniken je nach Region, Guss, Meißeln und Filigran. Hinzu kommen Emaille, Niello, Gravur und eingesetzte farbige Glas- oder Korallenstücke. Hergestellt haben es oft wandernde Silberschmiede. Die Halsketten dagegen fügen die Frauen selbst zusammen, aus Bernstein, Koralle, Amazonit und Silberelementen, je nach Stil ihrer Gegend.

Die Vitrinen sind nach Regionen geordnet. Aus dem Rif und dem Mittleren Atlas kommt Silberschmuck mit Korallen und Münzen, darunter ein zentrales Anhängerelement, Fekroun genannt. Die Aït Ouaouzguite im Siroua tragen Ketten aus Silberscheiben, Bernstein und Glas, emaillierte Diademe und Armbänder. Im Anti-Atlas fallen halbmondförmige Ohrringe aus Niello-Silber auf, in manchen Fällen mit Granat besetzt. Aus Tiznit im Souss kommen emaillierte Fibeln in Grün und Gelb. In der Gegend von Akka, Tata und Jbel Bani tragen Frauen wuchtige „Schiffsrumpf“-Armreifen. Im Südosten, im Draatal, sind große Bernsteinperlen typisch für die lange Hochzeitskette.

Viele Stücke sind Amulette: Amulettkapseln aus Silber, in denen heilige Texte stecken, Haarringe aus Karneol und Chalcedon, Anhänger in Form einer Chamsa. Manche Materialien neutralisieren einander, reines Silber auf der einen Seite, unreines Eisen oder Messing auf der anderen. Bei den Schutzzeichen mischen sich Aberglaube und Islam. Ein Halsband mit fünf Chamsas schützt doppelt.

Berberschmuck aus Silber mit Bernstein, roter Koralle und blauer Emaille sowie gravierten Fibeln auf dunklem Zedernholz in einer Vitrine

Welche Gewänder und Waffen zeigt die Sammlung?

Siebzehn lebensgroße Figuren in zwölf Stammestrachten bilden den letzten großen Raum. Sie sind nach Stämmen geordnet und kommen aus ganz Marokko. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, als sich die Baumwolle durchsetzte, verwendeten die Berber fast nur Wolle ihrer eigenen Herden. Die Identität eines Stammes zeigt sich meist in Webtechnik, Muster oder Drapierung.

  • Aït Ouaouzguite (Anti-Atlas): Eine Frau im Haïk mit stammestypischen Mustern, dazu eine Silbertiara aus Niello, emaillierte Ohrringe und eine Kette aus Glasperlen, Koralle und Münzen. Das Kind trägt eine Djellaba mit Kapuze.
  • Aït Abd Allah (Anti-Atlas): Der Haïk aus grobem weißem Wollgewebe, dessen Rückseite halb schwarz gefärbt ist und als Schleier über den Kopf gezogen wird. Die mit Henna gefärbten Bommeln halten die Ecken zusammen.
  • Beni Ouarain (Mittlerer Atlas): Umhänge, mit Wollstreifen verstärkt, gegen das raue Klima. Der Schleier zeigt ein abstraktes Muster aus fünf schwarzen Löchern, gedacht gegen den bösen Blick.
  • Aït Atta und Khamlia (Südosten): Ein blaues Tuch, von zwei Fibeln gehalten, und eine Bernsteinkette. Die Braut aus Khamlia trägt einen roten Seidenschleier über dem Gesicht.
  • Tahala (Anti-Atlas): Eine junge Braut aus dem jüdischen Viertel, in einem vom städtischen Stil beeinflussten Kleid und mit emaillierten Silberketten.
  • Aït Ouanergui (Hoher Atlas): Jungen und Männer in einem Gewand mit Beinwärmern, Tabbane genannt, aus dicker Naturwolle, darüber ein Wollumhang, der vor extremer Kälte schützt. Es ist bei Jägern des Mufflons beliebt.
  • Aït Haddidou (Hoher Atlas): Eine verheiratete Frau erkennst du an der konischen Haube.

Die Männerseite ergänzen Koummiya-Dolche in Silber und Messing, darunter Stücke, die die Wachen des Königs trugen, Pulverhörner und -flaschen, Gewehre, Kugelformen und das Gestell Amchaghab, auf dem Frauen im Baldachin eines Dromedars reisten. Frauenzubehör bilden Kajalfläschchen und -stäbchen, Kämme, Spiegel und Schleierschlüssel: Der große Schlüssel heißt Tamat, „die Frau“, der kleine Allé, „der Mann“. Sie halten den Schleier im Wind.

Wie sind Teppiche, Türen, Architektur und Musik vertreten?

Berberteppiche werden seit der Jungsteinzeit von Frauen gewebt. Ihre Symbolsprache, deren genaue Bedeutung im Lauf der Jahrhunderte verloren ging, hält Böses fern und wurde von Müttern an Töchter weitergegeben. Der Hanbel ist ein leichteres Gewebe als der Teppich: Er dient als Teppichersatz, Decke, Kissenhülle oder Festschmuck. Alle Teppiche des Museums und zahlreiche Stoffe wurden von Pierre Bergé und Bert Flint gestiftet. Dem Sammler widmet sich die Seite Marrakesh–Timbuktu.

Fünf Haustüren aus Holz, geschnitzt, graviert oder bemalt, zeigen die Vielfalt der Region: ein Tor mit Klapperschlangen-Applikationen, eine Tür mit Eisenklopfer aus dem Siroua, eine Dorftür des Hohen Atlas mit großen Zierbuckeln. Zwei Bildschirme führen durch die Architektur: Kasbah, Tighremt, Tagadirt und Ksar sowie Kollektivspeicher auf Felsen, Gipfeln und in Rundbauten. Dazu kommen Moscheen, Mausoleen, Zawiyas und Synagogen. Ein Beispiel für diese Bauweise findest du in Aït Ben Haddou.

Der letzte Abschnitt gehört der Musik. Die wichtigsten Instrumente sind die Rahmentrommel Bendir, die Bassgitarre Guembri, die einsaitige Streichfidel Rebab und die Rohrflöte Raita. Der Ahidous aus dem Mittleren Atlas bringt Männer und Frauen Schulter an Schulter zusammen, bis sich ein Paar löst und allein tanzt. Der Ahouach im Souss dauert eine ganze Nacht: Frauen bilden einen Kreis um ein Feuer, Männer halten auf den Bendirs den Takt. Die Guedra stammt aus der Sahara: eine kniende Tänzerin im Haïk, die zum Rhythmus der Trommel in Trance gerät. Dazu passen die Feste auf der Seite Festivals in Marrakesch.

Handgewebter Berberteppich aus Wolle mit geometrischen Rauten und Zickzackmustern in Rot, Ocker, Creme und Indigo

Wie plane ich den Besuch im Berber-Museum?

Das Museum ist täglich geöffnet. Die Eintrittspreise stehen in der Tabelle oben und gelten im November 2026; aktuelle Zeiten, Tickets und Führungen findest du auf der offiziellen Website des Jardin Majorelle. Der Kauf der Tickets erfolgt dort online. Auf der Website gibt es Broschüren in Französisch, Englisch, Arabisch und Tifinagh sowie einen Ausstellungsführer in drei Sprachen zum Herunterladen.

Für den Rundgang reichen ein bis zwei Stunden, mit dem Garten und dem Café planst du einen halben Tag. Wer anschließend noch Handwerk sehen möchte, geht in die Medina: Webereien und Teppiche zeigt das Dar Si Saïd, beschrieben auf der Seite Staatliche Museen in Marrakesch. Einen Überblick über alle Häuser bietet die Seite Museen in Marrakesch. Wer lieber das Kunsthandwerk kaufen möchte, liest vorher die Seiten zu Kunsthandwerk und Feilschen.

Geheimtipp: Schau dir zuerst die Karte der Stämme in der Einführung an. Mit ihr ordnest du später jedes Schmuckstück und jede Tracht einer Region zu, vom Rif über den Atlas bis in den Südosten.
Weiter entdecken: Nebenan liegt das Musée Yves Saint Laurent, in der Medina die Maison de la Photographie.

Häufige Fragen zum Berber-Museum

Wo liegt das Berber-Museum?

Im Jardin Majorelle in Gueliz, im früheren Malatelier von Jacques Majorelle, Rue Yves Saint Laurent.

Was kostet der Eintritt?

60 MAD für Erwachsene; Marokkaner und in Marokko lebende Ausländer zahlen 35 MAD (Stand: November 2026).

Was ist im Museum ausgestellt?

Mehr als 600 Objekte der Amazigh, darunter Schmuck, Trachten, Teppiche, Waffen, Haustüren, Geräte und Musikinstrumente.

Wann wurde das Museum eröffnet?

Im Dezember 2011, im früheren Atelier von Jacques Majorelle.

Ist der Garten im Museumsticket enthalten?

Nein. Garten, Berber-Museum und Musée Yves Saint Laurent haben jeweils eigene Tickets.

Wie lange dauert ein Besuch?

Für das Museum genügen ein bis zwei Stunden, mit Garten und Café ein halber Tag.

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