„Much Loved“: Cannes zeigt Spielfilm über Prostitution in Marrakesch

28. Mai 2015, 11:05 Uhr

Ein Film, bei dem man schon vorher ahnen konnte, das er für Aufregung sorgen wird: Der in Marrakesch spielende „Much Loved“ von dem französisch-marokkanischen Regisseur Nabi Ayouch wurde auf den prestigeträchtigen Filmfestspielen von Cannes im Rahmen der Reihe „Directors Fortnight“ gezeigt. Doch im Marokko stößt sowohl Film als auch Regisseur nur Ablehnung entgegen. Grund ist die Thematik des Films: In „Much Loved“ geht es um das schwere Leben von Prostituierten in Marrakesch, sowie die Hintergründe, warum junge Mädchen in dieser schönen touristischen Stadt ins horizontale Gewerbe abrutschen. Mit seinem Film will Regisseur Ayouch eine offene Debatte über das unangenehme Thema der Prostitution in Marokko anheizen – in dem muslimischen Land ein absolutes Tabu.

In Marokko darf der Film nicht gezeigt werden

So verwundert es leider kaum, dass die Regierungspartei PJD sogleich ein Aufführungsverbot für „Much Loved“ verhängt hat. Die offizielle Begründung: Der Film schade dem Ansehen der marokkanischen Frauen und sei zudem eine Beleidigung für ganz Marokko mit seinen Normen und Werten. Die PJD hatte eigens eine Delegation nach Cannes geschickt, um das Werk zu begutachten – neben dem Thema der käuflichen Liebe haben der Delegation wohl auch die Freizügigkeiten mancher Szenen sowie die vulgäre Sprache des Films sehr zugesetzt – all dies hat nun zum Verbot von „Much Loved“ im marokkanischen Königreich geführt. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass ein Film in Marokko zensiert wird – auch „Exodus: Gods and Kings“ von Ridley Scott durfte zunächst nicht in seiner ursprünglichen Form gezeigt werden. Ob und wann „Much Loved“ in Deutschland erscheint, ist übrigens noch unklar: Bisher hat sich hierzulande kein Kinoverleih für den Film gefunden.

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